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Eine Richtigstellung

Ich weiss, nicht alle mgen mich, doch das gehrt wohl zum Los eines jeden Schriftstellers, besonders jedoch zu demjenigen des sozialkritischen Satirikers. Viel Geld verdient habe ich nie, das mchte ich zu Anfang feststellen. An die mitternchtlichen Telefonanrufe, bei denen mir jeweils die Todesschreie von Schweinen im Schlachthof vorgespielt werden, habe ich mich gewhnt. Auch der, aus den Buchstaben der grssten Schweizer Tageszeitung zusammengestckelte Drohbrief,mit dem immer gleichen Satz:" dU WIrsT AuCH  IMmeR HOhlEr....", vermag mich nicht mehr sonderlich zu erschrecken, obwohl er mir dreimal wchentlich zugestellt wird, abgestempelt im Zrcher Seefeld. Nein, Herr Luchsinger, ich will sie nicht beschuldigen, wirklich nicht. Wenn mir die Trklinke mit Senf beschmiert und der Briefkasten mit toten Musen gefllt wird, lst das bei mir sicherlich keine Begeisterung aus,nein, aber ich habe mich daran gewhnt. Das Leben hrtetab, sie wissen. Ich bin mir bewusst, dass man sich nicht nur Freunde schafft, wenn man kein Blatt vor den Mund nimmt und Probleme aufzeigt. Ja frher, da war das schon anders, als ich noch das Spielhaus im Schweizer Fernsehen gestalten durfte, zusammen mit Rene. Und dann die Anschuldigungen: Rene sei ein Babyquler und mir gehe jede Sprachkultur ab, von wegen. Dabei war das wirklich eine Mglichkeit, an die Hoffnung unserer Gesellschaft, die Whler von morgen, die Kinder, heranzukommen. Ein haushohes Komplott war das, doch ich mchte wirklich niemanden beschuldigen, wirklich nicht, Herr Studer und Herr Schellenberg. Ich habe das verkraftet, ich bin darber hinweggekommen. Ausserdem zeichnet es mich ja als ausserordentlich guten Systemkritiker aus, wenn mir das staatliche Monopolfernsehen eine Redesperre auferlegt. NEIN, das soll keine Hochstapelei sein, sondern ein nchtern gewzogener, logischer Schluss. berhaupt, ich hatte bis anhin keinen Grund mich zu beklagen. Ich habe disen Weg selber gewhlt, und wehleidig bin ich auch nicht, NEIN, doch was sich in den ltzten zwei Wochen zugetragen hat war wirklich zu viel.
Eine gute Woche ist es her, dass ich vom Kriminalkomissariat 2, der Abteilung fr Leib und Leben der Zrcher Stadtpolizei, vorgeladen wurde. Ich dachte mir dabei nicht viel und nahm an, es handle sich um einen Irrtum. Auf dem weg zur Hauptwache ersann ich ein ironisches Gedichtlein ber unsere Ordnungshter und die Brokratie. Ich musste lange warten, ineinem langen Gang. RAUCHVERBOT.
Endlich wurde ich in ein Bro gefhrt. Aquarelle von fixenden Kindern und Fotos von deutschen Schferhunden zierten die Wnde, der Aschenbecher quoll ber und der grne Nadelfilzteppich htte eine Reinigung ntiggehabt. Bei mir zu Hause siehts zwar auch nicht besser aus, aber ich bin ja auch Schriftsteller.NEIN,  das soll keine Entschuldigung sein, nur ein Gedanke, eine Tatsache. Dann kam er, der Herr, mit dem ich den ganzen Nachmittag verbringen sollte.
"Kessler, Mordkomission", stellte ersich vor.
"Grezi Herr Kessler, mich kennen sie ja."
zuerst hatte ich das Gefhl, er blicke gehssig, doch das war vielleicht  gar nicht so; und wenn schon,Bei diesem Teppich. NEIN, ich blickte sicher nicht gehssig, trotz des teppichs, ich habe ja selber einen solchen, aber ich bin ...ach nein, das hatten wir schon, und wiederholen willich mich nicht, wirklich nicht.
-"So, so, sie hier , Herr Hohler," sagte er mit einer beinahe Vterlich anmutenden Stimme.
-"Sie wissen worum es geht. Was haben sie mir zu sagen?"
-"berhaupt nichts weiss ich, worum geht es denn?"
-"Bitte Herr Hohler, zeigen sie sich kooperativ, ihre Lage erlaubt solche Spielchen nicht."
-"Aber wovon reden sie, sagen sie mir bitte, worum es geht."
"-Also gut, dann auf die andere Tour. Sie wissen, Niklaus Meienberg ist tot. Wo waren sie                                    
   zur fraglichen Zeit?"
-"Zuhause, ich habe geschrieben."
-"Erstens habe ich ihnen noch gar nicht gesagt, wann die fragliche Zeit genau war, und                                                
   zweitens kam mir diese Antwort ein bisschen zu schnell. Woher wissen sie das alles so     
   genau, Herr Hohler?"
-"Ich schreibe immer, ausser wenn ich einkeufen gehe und das nur am Tag. Und sagen sie 
   einmal, wollen sie mir etwas unterstellen?"
-"Herr Hohler, stimmt es, dass sie am Nachmittag vor diesem Ereignis bei Herrn Meienberg 
   zu Hause waren? Und stimmt es auch, dass sie sich da heftig stritten und er sie mit den 
   Worten:  "Hau ab, du Imperialistenhure.", aus seiner Wohnung jagte, stimmt das?"
-"Das ist eine Privatangelegenheit."
-"Herr Hohler, stimmt es?"
-"Ja, aber..."
-"Kein aber. Stimmt es auch, dass sie einmal sagten:"SATIRE DARF ALLES."?"
-"Ja, das ist mein bekanntestes Zitat, aber was hat das hiermit zu tun?"
-"Das herr Meienberg mehr Bcher verkaufte als sie, das wissen wir beide, und auch das 
   wirkt sich nicht gerade entlastend fr sie aus, Herr Hohler."
-"Aber sie wollen doch nicht etwa sagen, dass ich neidisch auf Nikki wre?"-"Jetzt wohl kaum mehr. Also reden wir Klartext, Herr Hohler. Sie hatten zwei Motive Niklaus      
   Meienberg zu tten, ausserdem wurden sie am fraglichen Tag von mehrern Personen   
   beobachtet, wie sie, offensichtlich verwirrt und nur mit einem Cellokasten bekleidet,durch
   Oerlikonstreiften und vor sich hinmurmelten:"Seit 16:45 wird zurckgeschossen." , ein
   Gestndnis im voraus also."
-"Alles Lge, Faschisten, Kapitalistenpack, usw."
-"Bitte mssigen sie sich Herr Hohler."
-"Ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt."
-"Das ist ihr Recht, aber ich muss sie darauf hinweisen, dass der Richter Herrn Rambert nicht           
   als ihren Verteidiger zulassen wird. gegen ihn wird in der gleichen Sache ermittelt, wegen 
   Komplizenschaft und Beihilfe zur Verdunkelung. Ich muss sie wegen Fluchtgefahr 
   vorbergehend festnehmen. Sie verstehen sicher, dass wir den mutmasslichen Mrder 
   von Niklaus Meienberg nicht mit Samthandschuhen anfassen knnen, sonst wirft man uns 
   wieder vor, es sei uns sowieso nur recht gewesen, diesen Terrorisren loszuwerden. Also 
   Herr Hohler, sie haben das Recht auf ein Telefongesprch."
Nun sitze ich also hier in der Zrcher Polizeikaserne, in Untersuchungshaft.Ich soll Niklaus umgebracht haben, der Satire oder des Geldes wegen. Und dann habe ich mich mit meinen Aussagen noch tiefer in das ganze Schlamassel hineingeritten. Allein das ich zugegeben habe, gelegentlich einkaufen zu gehen, veranlasste Komissar Kessler zum Schluss, dass ich also zu demjenigen Personenkreis gehre, der die Mglichkeit hat, sich einen Plastiksack zu beschaffen. Als ich beteuerte, dass ich seit Jahren die selbe Greenpeace-Jutentasche bentze, unterstellte er mir, dass ich den Verdacht also auf jemand anderen lenken wollte.  Sie sehen, die Lage ist katastrophal.
Mein Gott, lange ertrage ich das nicht mehr. Ich bin doch auch nur ein  Mensch. Wer zum Teufel hat nur dieses bse Gercht in die Welt gesetzt? NEIN, ich spreche nicht von ihnen, HerrCincera, ich richte mich an die wache ffentlichkeit, ans Volk fr welches auch Niklaus zu schreiben pflegte. Seht ihr nicht, dass man hier und jetzt einen zweiten unbequemen zum Schweigen bringen will, einen zweiten Literaten in den Freitod treibt, jawoll Freitod, Niklaus hat sich selber umgebracht, respektive die Gesellschaft hat ihn umgebracht oder dann war es die Armeeoder die Polizei, die Banken, die Kirche, das Kapital, was weissich. Ich war es nicht, ich habe geschrieben,fr euch, frs Volk. Ich bin unschuldig, so glaubt mir doch.
Niklaus wrde mir glauben. Er war mein Freund.
Wie ich anfangs schon erwhnte,habe ich nicht besonders viele Freunde, ausser meiner Schreibmaschine, aber die durfte ich ja auch nicht mitnehmen. Zum Glck ist es mir wenigstens gelungen, einen kleinen Bleistift in die Zelle zu schmuggeln, der es mir erlaubt, diese Zeilen auf dem Papier der Bibel niederzuschreiben. Das hilft mir, mit der Situation fertigzuwerden. NEIN, ich habe nichts gegen Auslnder, wirklich nicht, aber wundernehmen tte es mich trotzdem, wie es ABU, DIMITRI und JAROSLAW  geschafft haben, diese berbreiten Filzstifte, mit denen sie sich auf der Zellenwand verewigten, hier hereinzubringen.
Auf jeden Fallmerke ich hier drin,dass der Mensch geboren ist, um frei zu sein und nicht gefangen, gefangen von dem System, das meinen Freund Niklaus gettet hat und diesen Mord nun mir in die Schuhe schieben will.VERDAMMTE ZYNIK.
Ich hoffe, dass es mir gelingt, dieses Manuskript aus dieser tristen Kaserne hinauszuschleusen,wie, das weiss ich nicht genau. Ich bin kein Techniker, ich schreibe. Ich hoffe, dass ich mein Zielpublikum, das VOLK, mit dieser Richtigstellung erreichen werde, damit das drohend auf mich zurollende Unrecht abgewandt werden kann. weder will ich zu einem Sturm der Bastilleaufrufen, noch will ich , dass sich andere Leute meinetwegen in ein sinnloses Martyrium strzen. ich will nur frei sein. Ich will leben. Ich will schreiben.
NEIN, EINEN SKANDAL WILL ICH NICHT, NUR GERECHTIGKEIT...

							Hoffnungsvoll   euer    FRANZ

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